Euer Unternehmen hat ein Logo und eure Leute haben Erfahrung, eine Meinung und meistens ziemlich viel zu erzählen. Auf eurer Website stehen sie unter dem Menüpunkt „Team“. Danach hört man erstaunlich wenig von ihnen. Eigentlich schade. Denn dort sitzen die Menschen, mit denen eure Kunden und künftigen Kollegen später klarkommen sollen.
Achtung Vorurteil! Bei Personal Branding denken viele sofort an Selbstdarstellung. Jeden Tag das eigene Gesicht im Feed. Dazu irgendeine Geschichte, was die kalte Dusche über Führung verrät. Puh. Dabei geht es doch um eine vernünftige Frage. Wie können Menschen außerhalb eures Betriebs mitbekommen, was ihr wisst und wie ihr arbeitet?
Axel Springer hat Paul Ronzheimer gezielt als journalistisches Gesicht über mehrere Medienmarken hinweg aufgebaut. Eine Person wird zum sichtbaren Absender. Das Prinzip könnt ihr auch für euren Betrieb nutzen. Dafür braucht ihr weder einen eigenen Podcast noch jemanden, der euch beim Frühstück filmt. Quelle
Mit KI lässt sich ja allerhand schrecklicher Inhalt produzieren. Ein Text über Qualität ist ja auch mal schnell geschrieben. Interessant wird es, wenn jemand aus eurem Betrieb erklärt, welche Prüfung ihr eingeführt habt, weil euch ein Fehler einmal richtig Geld gekostet hat. Sofern das eure Geschichte ist. Die kann euch kein Textwerkzeug abnehmen. Und gerade als Geschäftsführer ist es eigentlich Pflichtprogramm.
Wie fangt ihr an, ohne euch die nächste Dauerbaustelle einzuhandeln?
1. SUCHT EIN THEMA, BEI DEM IHR WIRKLICH ETWAS ZU SAGEN HABT
Vergesst für den Anfang den Anspruch, euren ganzen Betrieb abzubilden. Wählt eine Person und ein Thema, das für eure Kunden oder Bewerber relevant ist.
Als Geschäftsführung könnt ihr erklären, wie ihr Investitionen abwägt. Im HR zeigt ihr, was jemand bei einem Quereinstieg lernen muss und welche Unterstützung es dafür gibt. Im Vertrieb könnt ihr Fragen beantworten, bei denen Kunden regelmäßig unsicher werden.
Nehmt etwas, das ihr aus eigener Arbeit kennt. Dann habt ihr auch etwas zu sagen, wenn jemand nachfragt. Und euer Profil bekommt einen erkennbaren Schwerpunkt.
STEFAN GAUSEPOHL MACHT WELLPAPPE PERSÖNLICH
Ihr denkt, euer Produkt sei für Personal Branding zu trocken? Schaut euch Stefan Gausepohl von PACKNERS an. Er leitet dort Vertrieb und Marketing und nennt sich selbst „Wellpappfluencer“. Für mich ein Paradebeispiel dafür, wie viel Charme in einem B2B-Thema stecken kann.
Seinen Einstieg auf LinkedIn kündigte er so an.
„Ich werde Wellpappfluencer… Zack! Beschlossen und verkündet.“
Stefan Gausepohl beim Spiegelselfie. Bild aus seinem LinkedIn-Beitrag als „Wellpappfluencer“.
Originalbeitrag von Stefan auf LinkedIn lesen
Er nimmt die Influencer-Rolle auf die Schippe und macht zugleich klar, worum es bei ihm geht. Wellpappe. Sein Geschäft. Die Leute, mit denen er arbeitet. Das hat einen eigenen Ton, den man ihm abnimmt.
In einem anderen Beitrag fragt er
„Warum haben #Wellpappfluencer immer saubere Hände und komische Frisuren?“
Dahinter steckt sein Arbeitsalltag bei Kunden in der Lebensmittelproduktion. Stefan beschreibt Hygieneschleusen, Schutzkleidung und Haarnetze. Man schmunzelt über die Frisur und erfährt nebenbei, dass er Produktionsabläufe vor Ort kennenlernt und Tests begleitet. Wer selbst mit solchen Anforderungen arbeitet, kann etwas damit anfangen.
Den Beitrag über Haarnetze und Kundenbesuche lesen
Der Witz kommt aus der Arbeit. Deshalb passt er zur Zielgruppe. Stefan zeigt sich als Mensch, der sein Geschäft kennt und über sich selbst lachen kann. Das wirkt authentisch, weil fachlicher Inhalt und Persönlichkeit zusammenpassen.
Was könnt ihr euch davon abschauen? Sucht in eurem Alltag nach einer Situation, die eure Kunden kennen. Erzählt, was ihr dort macht und weshalb. Wenn euch dabei selbst etwas zum Schmunzeln bringt, darf das in den Beitrag. Stefans Humor gehört Stefan. Euer Ton darf eurer bleiben.
2. REDET ERST. SCHREIBT DANACH.
Wer vor einem leeren Dokument sitzt, klingt schnell wie die eigene Unternehmensbroschüre. Lasst euch lieber von einem Kollegen befragen.
Was war diese Woche knifflig? Weshalb habt ihr euch für diesen Weg entschieden? Was würdet ihr jemandem raten, der vor derselben Aufgabe steht?
Nehmt das Gespräch auf, mit Zustimmung der Beteiligten. Zehn Minuten können bereits genug Material für einen Beitrag liefern. Wählt einen Gedanken aus und erklärt ihn mit einem Beispiel. Vertrauliches bleibt intern, Kundenbezüge werden abgestimmt.
Privates dürft ihr übrigens privat lassen. Eure Arbeitsweise bietet genug Stoff.
3. MACHT EURE ERFAHRUNG SICHTBAR, STATT EIGENSCHAFTEN AUFZUZÄHLEN
„Nahbar“, „kompetent“, „auf Augenhöhe“. Könnt ihr alles über euch schreiben. Was soll der Leser damit anfangen?
Hilfreicher wäre eine HR-Verantwortliche, die erklärt, weshalb sie im ersten Kennenlernen auf den Lebenslauf verzichtet. Falls sie das tatsächlich tut. Oder ein Vertriebsleiter, der zeigt, welche Angaben er braucht, um eine Anwendung beurteilen zu können.
Damit gebt ihr anderen etwas an die Hand. Gleichzeitig lässt sich erkennen, wie ihr an Aufgaben herangeht. Auch ein begründetes „Davon würde ich euch abraten“ gehört dazu.
Texte und Videos könnt ihr aufbereiten lassen. Vor der Veröffentlichung prüft die Person, deren Name daruntersteht, ob sie das auch so sagen würde. Sonst steht zwar euer Gesicht daneben, aber jemand anderes redet.
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Mehr InformationenPersonal Branding geht bei Gesicht zeigen los
4. PLANT SO, DASS ES AUCH IM NOVEMBER NOCH KLAPPT
Ein freier Freitagnachmittag und zwölf Ideen sind ein Anfang. Für regelmäßige Beiträge braucht es einen Platz im Kalender.
Startet beispielsweise mit zwei Beiträgen im Monat auf einem Kanal. Ein kurzer Interviewtermin liefert das Material. Eine feste Person kümmert sich um Aufbereitung und Freigabe. Wer veröffentlicht, plant auch Zeit für Antworten ein. Bei Mitarbeitenden gehört das in die Arbeitszeit und die Teilnahme bleibt freiwillig.
Prüft nach zwei Monaten, was daraus entsteht. Kommen fachliche Rückfragen? Erwähnen Bewerber einen Beitrag? Finden sich passende Menschen unter den neuen Kontakten? Daraus lässt sich ableiten, welche Themen ihr weiterführen solltet. Eine hohe Like-Zahl allein hilft euch dabei wenig.
OMNIPRÄSENZ BRAUCHT EINEN PROZESS.
Omnipräsenz klingt erst einmal nach überall und dauernd. Für euren Betrieb heißt das sinnvollerweise, an relevanten Stellen wieder aufzutauchen. Ein Thema aus dem Interview wird zum persönlichen LinkedIn-Beitrag. Eine ausführliche Erklärung bekommt Platz auf eurer Website. Der Newsletter greift einen hilfreichen Gedanken daraus auf. HR oder Vertrieb können darauf verweisen, wenn die Frage im Alltag wiederkommt. Jeder Inhalt braucht einen passenden Anlass und eine passende Form.
So können Menschen euch über längere Zeit kennenlernen. Sie sehen, welche Themen euch beschäftigen und ob eure Aussagen zusammenpassen. In der Zusammenarbeit muss sich dann zeigen, ob sie sich darauf verlassen können.
Deshalb gehört Dranbleiben dazu. Plant einen Rhythmus, der neben eurem Tagesgeschäft funktioniert. KNDR kann Interviews, Themenplanung und die Aufbereitung übernehmen. Eure Erfahrung bleibt die Grundlage.
Überlegt mal, wen aus eurem Betrieb ihr selbst gern zu Wort kommen lassen würdet. Und bei welcher Frage ihr dieser Person sofort zuhören würdet. Damit könnt ihr anfangen.
